Wacken Open Air 2025: XXL-Stresstest für Bodenschutzmatten aus dem Moor
Tausende Heavy-Metal-Fans testen beim diesjährigen Wacken Open Air ein neuartiges Regionalprodukt: Bodenschutzmatten hauptsächlich aus Moorpflanzen, entwickelt vom Projekt Klimafarm. Bewährt sich der Einsatz der Matten, könnten sie künftig häufiger auf Festivals zu sehen sein.
Die 200 Meter lange Teststrecke aus geernteten Moorpflanzen und darüber verteilten Holzhackschnitzeln verbindet Glamping-Bereich und Bühnen – und soll beim viertägigen Festival den Weg matschfrei halten.
Heimisch-nachhaltige Alternative zu Kunststoff & Kokos
Sogenannte Erosionsschutzmatten werden bisher vor allem im Straßen- und Uferschutz eingesetzt – meist aus reinem Kunststoff oder Kokosfaser. Die neue Variante verwendet Kokosfaser nur noch als strukturgebendes Geflecht auf der Unterseite. Zum Großteil besteht sie aus Moorpflanzen aus der Eider-Treene-Sorge-Niederung – dem Rohstoff der Klimafarm.
„Wenn unsere Matten tausende Metalheads aushalten, dann schaffen sie es überall“, sagt Projektleiterin Elena Zydek zu dem Produkt-Test der besonderen Art. Entwickelt wurde das Produkt gemeinsam mit den Unternehmen re-natur, Schierbecker (beide Schleswig-Holstein) und mst-grünfix (Niedersachsen). Der Wacken-Test ist mehr als nur ein Probelauf – es ist die ganz große Bühne für eine nachhaltige Idee.
Projekt Klimafarm: Moorpflanzen als Rohstoff mit Zukunft
Seit 2021 erprobt das Projekt, wie sich natürlich wachsende Moorpflanzen – sogenannte Paludikulturen – effizient auf wiedervernässten Moorflächen ernten und verwerten lassen. Ziel ist es, neue Wertschöpfungsketten für moorreiche Regionen zu entwickeln, auf die private Landwirt*innen aufspringen können. Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
„Für nasse Moorflächen müssen neue Bewirtschaftungsformen her“, erklärt Zydek. „Wertschöpfung mit Natur- und Klimaschutz zusammendenken – das ist das Beste, was wir tun können!“
Moore für den Klima- und Artenschutz
Über 90 % der deutschen Moore sind trockengelegt – mit Folgen: Treibhausgase entweichen, Böden schrumpfen, die Nutzung wird schwieriger.
Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein renaturiert seit 1978 Moorflächen – durch das Entfernen von Drainagen, Schließen von Gräben und Bau von Dämmen. So entsteht eine Art „XXL-Badewanne“, die Wasser hält und das Ökosystem Moor zurückbringt.
Klimafarm-Matte auf zukünftigen Festivals?
Die Idee für den Festival-Test kam aus dem Projektteam selbst. „Festivals versinken oft im Matsch – warum nicht dort mal unsere Matten testen?“, erinnert sich Zydek. Die Anfrage bei Wacken stieß auf Begeisterung. „Das ist eine Riesenchance, zu zeigen, was in unseren Mooren steckt“, so die Projektleiterin.
Während des Festivals wird das Projekt Klimafarm mit einem eigenen Infostand vor Ort sein. Und auch wenn noch nicht klar ist, wie gut die Matten für die Extrembedingungen geeignet sind – ob sie zerreißen oder den Boden befestigen können – eines ist sicher: Mit dem Test in Wacken geht die Idee erstmals in den Realbetrieb – und das gleich auf einer der sichtbarsten Bühnen des Nordens.



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