Messdaten des Klimafarm-Projekts zeigen stabilere Wasserstände auf wiedervernässten Moorflächen
Wochenlang wenig Regen, immer wieder sehr hohe Temperaturen und trockene Böden: Längere Trockenperioden setzen Natur und Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Gerade jetzt lohnt ein Blick auf die wiedervernässten Moorflächen des Klimafarm-Projekts der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein in der Eider-Treene-Sorge-Niederung. Denn Messdaten aus dem Projekt zeigen, wie sich Wasserhaushalt auf wiedervernässte Moorflächen verändert.
Anfang 2024 wurde Flächen in der Nähe des Betriebshofes des Klimafarm-Projekts - wie beispielsweise die Fläche im Südlichen Süderkoog – wiedervernässt. Drainagen wurden zurückgebaut, Gräben verschlossen und regulierbare Überläufe eingebaut. Das Ziel: Niederschlagswasser länger auf den Flächen halten und die Wasserstände möglichst dauerhaft nahe der Geländeoberfläche stabilisieren. Gleichzeitig werden die Flächen weiterhin bewirtschaftet und ihr Aufwuchs geerntet. Genau diese Verbindung von nassem Moorschutzbodenschutz und landwirtschaftlicher Nutzung untersucht das aus Mitteln des Bundesumweltministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit geförderte Pilotprojekt Klimafarm.
Was die Messdaten zeigen
Besonders anschaulich wird die Entwicklung beim Blick auf die Wasserstandsmessungen der vergangenen Jahre. Auf den Anfang 2024 wiedervernässten Moorflächen bleiben die Wasserstände seitdem deutlich näher an der Geländeoberfläche. Trotz unterschiedlich verteiler Niederschläge lagen die sommerlichen Tiefstände in den vergangenen Jahren meist bei etwa 20 Zentimetern unter Gelände.
Anders sieht das Muster an einer bislang nicht wiedervernässten Messstelle – einer Fläche in Ekel aus. Dort schwankt der Wasserstand deutlich stärker und sinkt während trockener Phasen teilweise auf rund 50 bis 60 Zentimeter unter die Geländeoberfläche.
Wichtig ist dabei: Die beiden Messstellen sind kein wissenschaftlicher 1:1 Versuch unter identische Bedingungen. Der Vergleich veranschaulicht aber die Entwicklung, die das Team des KLimfarm-Projekts auf seinen wiedervernässten Flächen beobachtet: der Wasserstand reagiert dort weniger stark auf einzelne trockene Perioden und bleibt insgesamt näher an der Geländeoberfläche.
„Genau diese Stabilisierung wollen wir mit der Wiedervernässung erreichen“, sagt Dr. Elena Zydek, Klimafarm-Projekleiterin. „Wir halten das vorhandene Wasser länger auf der Fläche und verhindern, dass der Moorboden während trockener Perioden so stark entwässert. Die Messdaten zeigen sehr anschaulich, wie sich der Wasserhaushalt nach der Wiedervernässung verändert.“
Warum nasse Moorböden gerade bei Trockenheit wichtig sind
Für einen intakten Moorboden ist ein möglichst stabiler, oberflächennaher Wasserstand entscheidend. Fällt der Wasserstand tief ab, gelangt Sauerstoff in den Torfkörper. Der über Jahrhunderte entstandene Torf beginnt sich zu zersetzen und setzt dabei Treibhausgase frei. Durch die Wiedervernässung wird dieser Prozess deutlich reduziert.
Gleichzeitig bleibt Wasser länger in der Landschaft. Gerade in längeren Trockenperioden kann ein stabiler Wasserhaushalt deshalb auch die Widerstandsfähigkeit der Moorökosysteme stärken.
Und Wiedervernässung ist auch in Zeiten zunehmender Trockenperioden möglich. Schleswig-Holstein verfügt über längere Zeiträume betrachtet weiterhin über einen Niederschlagsüberschuss: Es fällt mehr Niederschlag, als durch Verdungsunt verloren geht. Entscheidend ist deshalb zunehmend die Frage, wie man mit Wassser umgeht, wenn es fällt.
Wasser halten – aber gezielt
Dabei bedeutet Moorvernässung ausdrücklich nicht, möglichst viel Wasser unkontrolliert in der Landschaft zu halten. Gerade in der Eider-Treee-Sorge-Niederung ist der Wasserhaushalt komplex und seit Jahrhunderten durch Gräben, Siele, Schöpfwerke und andere wasserwirtschaftliche Anlagen geprägt.
Eine zentrale Rolle spielt deshalb das regionale Wassermanagement der Wasser- und Bodenverbände. Der Eider-Treene-Verband betreibt unter anderem Schöpfwerke und Siele zur Be- und Entwässerung der Niederungen und steuert gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden ein weit verzweigtes Gewässersystem. Der Verband verfolgt dabei nach eigenen Angaben das Ziel, Wasserstände so hoch wie möglich zu halten, um die Sackung der Moorböden zu begrenzen und gleichzeitig die landwirtschaftliche Nutzung und den Hochwasserschutz sicherzustellen.
Auf den Projektflächen des Klimafarm-Projekts wiederum wird die Wiederverässung gezielt geplant und gesteuert. Regulierte Abläufe sorgen dafür, dass Wasserstände angepasst und überschüssiges Wasser weiterhin abgeführt werden kann. Ein wichtiges Planungsziel ist dabei, angrenzende Flächen nicht zu beeinträchtigen.
Moorschutz und regionales Wassermanagement gehören deshalb zusammen
Klimaschutz und Klimaanpassung zusammen denken
Die Erfahrungen aus der aktuellen Trockeperiode zeigen, warum ein klug gesteuerter Landschaftswasserhaushalt künftig immer wichtiger wird. Denn Wetterextreme können in beide Richtungen zunehmen: längere Trockenperioden ebenso wie Phase mit großen Niederschlagsmengen.
Wiedervernässte Moorböden können dazu beitragen, Wasser länger auf den dafür vorgesehenen Flächen zu halten, starke Schwankungen des Wasserstandes abzumildern und gleichzeitig den Torfkörper zu schützen. Damit verbindet Moorbodenschutz zwei zentrale Herausforderungen unserer Zeit: Klimaschutz und die Anpassung unserer Landschaft an ein verändertes Klima.
Das Projekt Klimafarm der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein liefert dafür wertvolle Erfahrungen aus der Praxis. Bis 2031 sollen dort insgesamt rund 400 Hektar nasses Moorgrünland bewirtschaftet werden. Neben der Wiedervernässung untersucht das Projekt, mit welcher Technik sich die Flächen ernten lassen und wie aus Gräsern, Seggen, Binsen und Schilf neue Produkte und damit Wertschöpfung für eine moorbodenerhaltende Landwirtschaft entstehen können.



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